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Foto: Odilo Clausnitzer
Night Notes

Die Eröffnung: Cologne Jazzweek 2026

Text: Odilo Clausnitzer; Redaktion: Martin Laurentius

Der Anfang war fast ein Spaziergang. Auch wer nicht bei der Wanderung durch Köln mit den zwei Erzmusikanten Matthias Schriefl und Johannes Bär mitgemacht hat, konnte den Besuch der Cologne Jazzweek 2026 am ersten Tag mit Gehen im Grünen verbinden. Die Konzerte am Samstagnachmittag, alle bei freiem Eintritt, waren rund um den Stadtgarten-Park angeordnet: zwei in den angrenzenden Kirchen Neu St. Alban und Christuskirche, zwei im Stadtgarten (dem Gebäude). Man hätte also entspannt von einem Konzert zum nächsten flanieren können, wenn sie nicht ganz so eng getaktet gewesen wären. Vielleicht nur für Festivalleiter Janning Trumann kein Problem, einer der wenigen Menschen auf der Welt, die an zwei Orten gleichzeitig sein können. Wo man hinkommt, ist er schon.

Ich habe drei Konzerte gehört, alle drei großartig. Zuerst das Kathrin Pechlof Trio. Schon die Besetzung ist unwahrscheinlich und nicht ganz von dieser (Jazz-)Welt: Harfe (Pechlof), Altsaxofon (Christian Weidner) und Kontrabass (Robert Landfermann). Die drei spielen in der ruhigen, hellen und moderat halligen Christuskirche mit dem Raum: die Altsaxofontöne scheinen aus dem Nichts anzuschweben und sich darin wieder zu verlieren. Mit den Bassfrequenzen verweben sie sich zwischendurch zu stehenden Flächen aus lauter Klang. Manchmal spielt dieses Trio Melodien, die so unerwartet schön klingen, dass es einen fast wie ein Faustschlag trifft. Dann ist in der Musik aber auch Platz für Widerborstiges, Geräusche, Drones, sogar ein spannendes gestrichenes Basssolo. Das alles ergibt eine ganz eigentümliche Mischung aus Nüchternheit und Zärtlichkeit. Wo die Musik schön ist, ist sie nie gemütlich, wo sie radikal ist, berührt sie auch. Ich fühle mich dem Himmel ein bisschen näher, nicht nur durch den Ort des Auftritts.

Weiter durch den Park ins Stadtgarten-Restaurant. Im Konzertsaal spielt Uli Kempendorffs Field, eigentlich ein Quartett mit Christopher Dell, Vibrafon, Jonas Westergaard, Bass, und Peter Bruun, Schlagzeug. Für Jazzweek-Konzert wurde die Band um zwei Gäste verstärkt: Søren Kjærgaard, Piano, und Marc Ducret, Gitarre. Wenn man von einem zentralen Mann reden kann, dann ist das an diesem Abend der Schlagzeuger Bruun. Er hat das ganze Programm namens „Windows“ komponiert. Es gehe um eine Erforschung von Rhythmen, erklärt Kempendorff einmal sinngemäß dazu. Das klingt viel wissenschaftlicher, als es wirkt. Eigentlich ist es Zauberei. Field machen eine Musik, die sich scheinbar ständig parallel auf mehreren Zeitebenen ereignet. Man bräuchte ein Oktopus-Hirn, um die alle gleichermaßen im Bewusstsein zu haben. Rhythmen wehen herein und verschwinden wieder. Eine Swing-Passage blitzt auf, unaufdringlich wie eine Person, die schüchtern durch die Tür lugt. Für ein paar Sekunden ist man in einer anderen Time (Wo kommt die her? War schon immer da!), dann gleitet man wieder zurück, elegant wie im Traum. Die akustischen Orientierungspunkte werden von Bruun mit unfassbarer Klangdelikatesse und Kontrolle am Schlagzeug hin getupft. Dabei ist das eine echte Ensemblemusik; solistische Einzelbeiträge sind die Ausnahme. Ein Wunder, dass diese geheimnisvoll geplanten, wolkigen Strukturen auf wenige Notenblätter zu passen scheinen. Das letzte Stück ist eine Art abstrakter, delikater, ganz unmöglich vergeistigter Funk, aber so unwiderstehlich, dass man sich dazu bewegen möchte. Ducret lässt die Gitarre knacken, Kempendorff spielt Bassklarinette, ein bisschen klingt es plötzlich nach frühem Jazz-Rock, aber viel strenger und zugleich viel zarter.

Kaum verlässt man das Stadtgarten-Gebäude durch den Haupteingang, kommt ein Kontrastprogramm: Auf der Freilichtbühne im Biergarten spielt das Quintett des Gitarristen Teis Semey. Besetzt ist es wie eine vertraute Jazzcombo, mit Bass und Schlagzeug in der Rhythmusgruppe und zwei Saxofonen in der Frontline. Auch diese Band kennt die gegenläufigen und verzahnten Rhythmen; manchmal stemmen sich die Saxofone hier im Satz gegen die Rhythmusgruppe. Aber hier ist nichts versponnen, die Musik hat eine schrammelige, draufgängerische Rock-Attitüde: Druck, Energie und macht Riesenspaß.

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